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Zeichen der Freundschaft – Ulrike Crespo beschenkt das Städel Museum

Zeichen der Freundschaft – Ulrike Crespo beschenkt das Städel Museum

Als Ulrike Crespo vor einigen Jahren in einer Galerie in der Ladenburger Straße ihre abstrakten Fotografien vorstellte, wusste kaum einer der Besucher, dass sie eine bedeutende Sammlung von Kunst des 20. Jahrhunderts besaß, die sie von ihrem Großvater, dem Unternehmer und Kunstmäzen Karl Ströher geerbt hatte. Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt hätte es so nicht gegeben, hätte Ströher es nicht um 87 Hauptwerke der amerikanischen Pop-Art bereichert, die fortan den Grundstock der Sammlung bildeten.

Die Psychotherapeutin, Fotografin und Philanthropin Ulrike Crespo vermachte dem Frankfurter Städel über 90 Gemälde und Arbeiten auf Papier bedeutender Künstler, darunter Otto Dix, Franz Marc, Max Ernst, Wassily Kandinsky, Jean Dubuffet, Cy Twombly, Fernand Léger und anderen. Herausragend im Konvolut ist das Aquarell von Oskar Schlemmer zu seinem berühmten Gemälde Bauhaustreppe, 1932, das heute im New Yorker Museum of Modern Art hängt.

Das Städel besitzt selbst eine hervorragende Sammlung an Gemälden und Papierarbeiten der klassischen Moderne wie auch der Nachkriegskunst. Grund genug, um einen Dialog zwischen den eigenen Beständen und Crespos Schenkung zu veranstalten: 44 Arbeiten aus der Schenkung stehen 28 Arbeiten aus der eigenen Sammlung gegenüber und sind so klug arrangiert, dass die Kuratoren sieben thematische Kreise bilden konnten, in denen sie sich wunderbar ergänzen.

Der erste – und spannendste Teil – lässt die Bauhaus-Lehrer Paul Klee, Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger und László Moholy-Nagy zu Wort kommen, wobei Moholy-Nagy und Schlemmer im Städel bislang fehlten.  Jeder hatte eine eigene Vorstellung von einer neuen Ästhetik, die sich auch dem industriellen Fortschritt verpflichtet fühlte, so dass letztendlich die neue Formensprache, die am Bauhaus entstand, unverwechselbare Züge bekam.

Die Künstler des Blauen Reiter, die Freilichtmalerei der Brücke in Dresden und die reichen Expressionismus-Bestände des Städel-Museums erfahren eine große Bereicherung durch neue Zugänge von Kandinsky, sowie der Bleistiftstudie der Pferde aus Franz Marcs Skizzenbuch (1910/1911).  Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Emil Nolde und auch Christian Rohlfs bereichern jetzt die Sammlung. Außerordentlich ist das schöne Aquarell von Otto Dix mit seinen anonymen Großstadtmenschen.

Schließlich wird die Reihe mit bedeutenden Einzelwerken komplettiert: Paula Modersohn Becker neben Fernand Léger, ein surrealistischer Max Ernst („Grätenwald“, 1927), Willy Baumeister neben Jean Dubuffet,  Julius Bissier neben Fritz Winter.

Zu den größten Überraschungen gehören die Arbeiten von Cy Twombly und Sam Francis, die Ulrike Crespos Großvater 1968 erwarb, als er sich die Pop-Art-Sammlung eines New Yorker Versicherungsmaklers sichern konnte. Somit verfügt das Städel nun über ein beeindruckendes neues Konvolut, das den Blick auf das Kunstgeschehen zwischen 1905 bis 1965 schärft. Und Ulrike Crespo erfüllt über ihren Tod hinaus ihr lebenslanges Anliegen, Menschen Kunst zugänglich zu machen und ihnen eine ästhetische Erfahrung zu ermöglichen.

Jene Werke, die Crespo dem Museum vermachte, können im Album der Digitalen Sammlung angesehen werden: (https://sammlung.staedel.museum.de/de/album/view/zeichen-der-freundschaft, dort sämtliche Bilder mit Bildrechten)




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